Mai-Magie und ein Kribbeln im Gasfuß
Spürst du es? Den Geruch von nasser Erde, Kiefernnadeln, die von der Sonne erwärmt werden, und das Geräusch von Schmelzwasser, das in den Straßengräben rieselt. Es ist Mai, und für uns, die das Wildcampen lieben, bedeutet das nur eines: Die Saison ist offiziell in vollem Gange. Egal, ob du den Winter damit verbracht hast, einen Campervan fertig zu isolieren, das große integrierte Wohnmobil zu polieren, den Stoff des Dachzelts zu spannen oder die Reifen des Camp-let zu überprüfen, die Zeit ist gekommen. Es zuckt im Gasfuß und in den Fingern juckt es, das Auto zu packen, die Kaffeethermoskanne zu füllen und Kurs auf das Unbekannte zu nehmen.
Ich vergesse nie meine erste Tour im Mai vor ein paar Jahren. Die Sonne strahlte, und ich war mir absolut sicher, dass der Frühling ernsthaft die Oberhand gewonnen hatte. Ich fand einen fantastischen Waldweg, bog ab und fand das, was wie eine idyllische, grüne Grasfläche an einem kleinen Waldsee aussah. Was ich jedoch nicht einkalkuliert hatte, war die berüchtigte „Frühlingsmatsche“. Unter der dünnen Schicht aus trockenem Gras verbarg sich ein zäher, gesättigter Schwamm aus gefrorenem Matsch und Schmelzwasser. Bevor ich das Auto überhaupt in den Parkmodus schalten konnte, sanken die Vorderräder ein. Es wurde ein, gelinde gesagt, schweißtreibender Nachmittag mit Graben, Schieben, Holzbrettern unter den Rädern und einer gehörigen Portion Demut. Die Lektion? Die Natur im Mai ist launisch, aber sie ist auch absolut fantastisch, wenn man weiß, was man tut.
Die ewige Jagd nach den unbekannten Perlen
Bei der ersten Tour des Jahres geht es oft darum, den Winterschlaf abzuschütteln, und dann möchten wir gerne etwas Ruhe und Frieden haben. Aber wie findet man eigentlich diese unbekannten Perlen, an denen vor dir noch niemand geparkt hat? Wenn der Schnee noch schwer auf den Bergen liegt, gilt es strategisch zu denken.
Im Mai sind das Flachland, der Küstenstreifen und die großen Täler deine besten Freunde. Suche in Richtung Küste, wo der Frühling immer einen Vorsprung hat, oder erkunde Waldwege in tiefer gelegenen Waldgebieten. Einer meiner besten Tipps, um neue Orte zu finden, ist es, die Satellitenkarte vor der Abreise fleißig zu nutzen. Ich suche nach Schotterstraßen, die in einer Sackgasse in der Nähe von kleinen Seen oder Flüssen enden. Wenn der Weg an seinem Ende eine offene Bucht hat, stehen die Chancen gut, dass du eine Perle gefunden hast. Denke daran, dass die Fricamp-appen hier Gold wert ist. Viele Nutzer tragen Plätze ein, die sie gefunden haben, und indem du in Gebiete abseits der typischen Verkehrsadern hineinzoomst, kannst du schnell einen Platz finden, der groß genug für dein Gefährt ist, egal ob du einen kleinen Campervan oder ein längeres Wohnmobil hast.
Das Jedermannsrecht auf Rädern – Worum geht es da eigentlich?
Wenn wir darüber sprechen, unbekannte Perlen in Wald und Flur zu finden, müssen wir den sprichwörtlichen „Elefanten im Raum“ ansprechen. Denn was sagt das Jedermannsrecht eigentlich über das Wildcampen mit Auto, Wohnmobil, Dachzelt und Anhänger? Hier gibt es nämlich viele Missverständnisse, und als verantwortungsbewusste Wildcamper ist es unsere Pflicht, die Regeln zu kennen.
Kurz gesagt: Das Jedermannsrecht gilt grundsätzlich für Fortbewegung ohne Motor. Das bedeutet, dass das Recht, zu zelten, wo man will (mehr als 150 Meter vom bewohnten Haus entfernt), eigentlich für diejenigen gilt, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder paddelnd unterwegs sind. Wenn wir einen Motor und Räder unter uns haben, bestimmen das Veitrafikkloven und das Motorferdselloven die Spielregeln.
1. Fahren in der freien Natur ist verboten
Dies ist die wichtigste Regel. Du darfst nicht von der Straße abfahren und auf eine Wiese, hinunter an einen Strand oder in den Wald fahren, um für die Nacht zu parken. Das Fahrzeug muss immer auf der Straße stehen, oder auf einem befestigten Platz/in einer Bucht in unmittelbarer Verbindung zur Straße. Glücklicherweise gibt es in Norwegen tausende von fantastischen Schotterstraßen, Buchten, alten Holzabladeplätzen und Wendeplätzen, wo das Parken erlaubt ist. Achte nur darauf, dass du die Straße nicht für Holztransporter oder Rettungsfahrzeuge blockierst!
2. Die 150-Meter-Regel gilt weiterhin
Auch wenn du legal auf einer Straße oder einem Parkplatz geparkt bist, gilt weiterhin die Regel, dass du mindestens 150 Meter Abstand zum nächsten bewohnten Haus oder zur nächsten Hütte haben musst, wenn du dort übernachten möchtest. Wenn du näher übernachten möchtest, musst du höflich hingehen und den Grundbesitzer um Erlaubnis fragen. Ein freundliches Lächeln und eine höfliche Frage führen überraschend oft zu einem „Ja, selbstverständlich!“.
3. Rasten versus Campen
In Norwegen ist es erlaubt, entlang öffentlicher Straßen, auf Rastplätzen und Ähnlichem für bis zu 24 Stunden zu parken und im Auto zu schlafen (sofern lokale Schilder nichts anderes besagen). Aber denke daran, dass es einen Unterschied gibt zwischen Rasten und Campen. Wenn du das Vorzelt herausziehst, den großen Teppich ausrollst, drei Stühle, einen Tisch und einen Grill aufstellst sowie eine Wäscheleine aufhängst, dann campst du. Dies solltest du auf gewöhnlichen Rastplätzen entlang der Straße vermeiden. Finde lieber einen abgelegenen Waldweg, wo du niemanden störst.
Praktische Tipps für die erste Tour der Saison
Bevor du dich mit Sternen in den Augen hinters Lenkrad wirfst, gibt es einige praktische Dinge, an die du denken solltest, wenn du im Monat Mai wildcampen gehst. Der Frühling ist wunderschön, aber er erfordert, dass du ein wenig vorbereitet bist.
- Nimm dich vor der Frühlingsmatsche in Acht: Wie ich schmerzhaft erfahren musste; fahre nicht auf Grasflächen oder nassen Schotter, der verdächtig weich aussieht. Das gilt besonders für dich mit einem schweren Wohnmobil! Ein Dachzelt auf einem leichten PKW hat etwas mehr Spielraum, aber schwere Fahrzeuge graben sich in Sekundenbruchteilen ein. Halte dich an festen Untergrund und nimm am besten ein paar Antirutschmatten im Kofferraum mit.
- Packe für vier Jahreszeiten: Der Mai ist tückisch. Du kannst um 15:00 Uhr im T-Shirt sitzen und Würstchen grillen und um 03:00 Uhr nachts bei zwei Minusgraden mit den Zähnen klappern. Denke daran, dass der Boden immer noch kalt ist. Überprüfe, ob die Gasflaschen voll sind, ob die Dieselheizung tatsächlich funktioniert, und habe immer einen guten, warmen Schlafsack als Backup dabei. Für diejenigen in einem Dachzelt oder Camp-let ist eine gute Wolldecke unter der Matratze, um gegen die Kälte von unten zu isolieren, ein klassischer Trick.
- Sei vorsichtig mit Lagerfeuern und Brennholz: Vom 15. april bis zum 15. september herrscht in Norwegen generell ein Lagerfeuerverbot. Du kannst immer noch ein Feuer dort machen, wo es offensichtlich keine Brandgefahr mit sich bringt (zum Beispiel auf Schnee, sicher auf nacktem Fels nach dem Regen oder an zugelassenen Feuerstellen), aber sei extrem vorsichtig. Ein weiterer Tipp ist, trockenes Brennholz von zu Hause mitzubringen. Äste und Zweige, die du im Mai im Wald findest, sind oft vom Schmelzwasser feucht und erzeugen mehr Rauch als Wärme.
- Habe immer Vipps für Mautgebühren dabei: Viele der besten unbekannten Perlen liegen an privaten Waldwegen. Diese verlangen oft Mautgebühren. Halte immer die App bereit oder habe etwas Kleingeld im Handschuhfach und bezahle gerne. Dies trägt dazu bei, dass die Grundbesitzer die Wege für uns Wildcamper offen halten.
Bereit für die Tour?
Das erste Wildcampen des Jahres ist immer das beste, egal ob alles nach Plan läuft oder ob du unterwegs improvisieren musst. Jetzt legen wir den Grundstein für die Abenteuer des Sommers. Also hol die Fricamp-appen hervor, zoome in ein Gebiet hinein, in dem du noch nie warst, suche nach einem vielversprechenden Schotterweg und mach dich bereit für den ersten Kaffee des Jahres im Sonnenaufgang.
Denke daran, deinen gesamten Müll wieder mit nach Hause zu nehmen (auch Toilettenpapier – benutze einen kleinen Hundekotbeutel!), respektiere die Natur und winke den anderen Wildcampern zu, die dir auf dem Weg begegnen. Wir sehen uns draußen in der Frühlingssonne!